25.08.2026

Wenn der Mentor wichtiger wird als Jesus

Geistliche Begleitung oder ungesunde Abhängigkeit?

Von Sabine Derron


Was geschieht, wenn ein geistlicher Mentor im Leben eines Christen einen Platz einnimmt, der eigentlich Jesus Christus gehört?
Ein Video über Kathryn Krick wirft eine unbequeme Frage auf und sie betrifft weit mehr als eine einzelne Person.
Geistliche Mentoren, Pastoren und geistliche Väter können Menschen im Glauben begleiten und stärken. Doch aus gesunder Begleitung kann auch Abhängigkeit werden.
Im Zusammenhang mit Kathryn Krick wird in einem aktuellen Video kritisch gefragt, welche Bedeutung ihr geistlicher «Papa» beziehungsweise Mentor in ihrem Leben einnimmt. Dabei sollte man mit persönlichen Vorwürfen vorsichtig sein. Die dahinterliegende Frage ist jedoch wichtig: Wann wird menschliche Autorität so gross, dass Jesus Christus in den Hintergrund gerät?
Jesus muss im Zentrum bleiben.
Die Bibel kennt geistliche Begleitung. Paulus sagt: «Seid meine Nachahmer, wie auch ich Christi Nachahmer bin» (1. Korinther 11,1). Entscheidend ist: Paulus verweist über sich selbst hinaus auf Christus.
Ein gesunder Mentor macht Menschen nicht von sich abhängig, sondern hilft ihnen, selbstständig Jesus nachzufolgen.

Jesus warnt eindringlich vor Verführung. Johannes schreibt: «Prüft die Geister, ob sie aus Gott sind» (1. Johannes 4,1).
Aus dem Grund sollten wir nicht einfach alles übernehmen, nur weil es von einer geistlichen Autorität kommt. Auch Aussagen von Leitern müssen an der Bibel geprüft werden.
Verführung sieht dabei nicht immer offensichtlich aus. Sie kann fromm klingen, von Jesus sprechen und trotzdem langsam den Mittelpunkt verschieben: Weg von Christus und hin zu einer Person, einer Bewegung oder einem Leiter.
Warum erkennen wir Warnsignale so schwer?
Vielleicht, weil wir Menschen brauchen, die uns Orientierung geben. Wir sehnen uns nach Zugehörigkeit, Anerkennung und geistlicher Sicherheit.
Gerade deshalb kann ein charismatischer Leiter einen grossen Einfluss bekommen. Kritik wird dann schnell als Rebellion verstanden, und die eigene Beziehung zu Gott wird immer stärker von der Meinung eines Menschen abhängig. Geistliche Autorität darf niemals absolut werden.
Kein Pastor, Prophet, Apostel oder Mentor ersetzt Jesus.
Denn geistliche Reife zeigt sich nicht darin, wie loyal wir einem Menschen gegenüber sind.
Sie zeigt sich darin, wie treu wir Jesus Christus folgen.

Es wäre zu einfach, nur über Kathryn Krick oder andere Leiter zu sprechen. Die wichtigere Frage betrifft uns alle:
• Wem vertraue ich mehr: Christus und seinem Wort oder einem Menschen?
• Wessen Anerkennung brauche ich?
• Kann ich einem geistlichen Leiter widersprechen ohne Angst zu haben, Gott und ihn zu enttäuschen?
• Und bleibt Jesus auch dann im Zentrum, wenn mein Mentor nicht mehr da ist?

Deshalb, lieber Leser: Vielleicht lohnt es sich, ganz persönlich innezuhalten und Jesus zu fragen: Wo habe ich in meinem Leben einem Menschen einen Platz gegeben, der eigentlich Dir gehört und was möchtest Du in mir neu ordnen, damit mein Vertrauen wieder ganz auf Dir ruht?