06.05.2026
Gerade leben in einer verdrehten Welt
Ein Leben, das sich nicht von der Kälte dieser Welt prägen lässt
Von Sabine Derron
Die Gedanken des Königreichs Gottes unterscheiden sich grundlegend von den Gedanken dieser Welt.
Es ist eine andere Sichtweise. Eine andere Lebensart. Ein anderer Weg.
Als Christen ist unser Ziel nicht in erster Linie Erfolg, Anerkennung oder Selbstverwirklichung. Unser Ziel ist es, Jesus mit unserem Leben zu verherrlichen.
Doch was bedeutet das konkret?
Wie sieht das im Alltag aus?
Wie behandeln wir Menschen? Wie reagieren wir auf Ungerechtigkeit? Wie gehen wir mit Schwäche, Enttäuschung und Egoismus um?
Wenn ich in die Welt hinausschaue, berührt es mich manchmal zutiefst, wenn Menschen einander wohlwollend begegnen. Wenn jemand Rücksicht nimmt. Wenn jemand nicht nur an sich selbst denkt.
Es bewegt mich, wenn jemand anhält, um einer älteren Person zu helfen. Wenn jemand freundlich bleibt, obwohl er selbst einen schweren Tag hat. Wenn mir jemand den heruntergefallenen Schlüssel aufhebt. Ja, letztens hatte ich deswegen sogar Tränen in den Augen.
Ich fragte mich, warum gehen mir solche kleinen Gesten so tief ins Herz?
Vielleicht, weil wir in einer Zeit leben, in der Liebe immer kälter wird. Die Bibel spricht davon, dass Menschen immer mehr sich selbst lieben werden, dass jeder zuerst auf seinen eigenen Vorteil schaut und der Blick füreinander verloren geht.
Und genau dort stehen wir heute.
Mitten in einer Welt, in der oft jeder sich selbst der Nächste ist.
Manchmal halte ich diese Kälte fast nicht aus.
Und doch spüre ich gleichzeitig: genau hier hinein ruft mich Jesus, anders zu leben nämlich nach den Gedanken seines Königreichs.
Aber was bedeutet das konkret?
• lieber vergeben als nachtragen
• lieber wahrhaftig sein als sich Vorteile erschleichen
• lieber demütig bleiben, statt sich selbst gross zu machen
• lieber lieben als richten
• lieber auf Gottes Gerechtigkeit vertrauen, als sich selbst zu rächen
Ich sehe Menschen, die sich durchs System schmuggeln.
Ich sehe, wie gelogen, manipuliert und betrogen wird und oft scheint es, als würde niemand etwas bemerken, geschweige sagen.
Und alles in mir schreit. Wo bleibt die göttliche Gerechtigkeit?
Trotzdem entscheide ich mich immer wieder neu, zu dem zu stehen, der für mich am Kreuz gestorben ist. Nicht aus Resignation. Nicht aus Schwäche. Sondern aus Liebe.
Dieser Weg ist nicht glamourös.
Und oft bringt er mir keine sichtbare, weltliche Gerechtigkeit.
Immer wieder verzichte ich auf mein vermeintliches „Recht“.
Immer wieder entscheide ich mich, mich an der Wahrheit zu orientieren auch dann, wenn es mich etwas kostet.
Und dann bleibt die Frage:
Was bedeutet Vertrauen in solchen Momenten?
Vertrauen bedeutet nicht einfach passives Loslassen.
Vertrauen bedeutet, Gottes Charakter höher zu achten als meine momentanen Gefühle.
Es bedeutet, weiterzugehen, obwohl ich die Antwort noch nicht sehe.
Es bedeutet, treu zu bleiben, auch wenn Ehrlichkeit scheinbar verliert.
Es bedeutet zu glauben, dass Jesus sieht, was verborgen ist.
Vielleicht sehe ich den Segen heute noch nicht.
Vielleicht bleibt manche Ungerechtigkeit auf dieser Erde unbeantwortet.
Aber ich vertraue darauf, dass Jesus mein Herz kennt.
Dass ihm kein stilles Opfer entgeht. Keine Träne. Kein Verzicht. Keine Entscheidung für die Wahrheit.
Und eines Tages wird sichtbar werden, dass kein Leben nach seinen Gedanken umsonst war.
Bis dahin möchte ich weiter lernen, in einer verdrehten Welt gerade zu leben mit einem Herzen, das sich nicht von der Kälte dieser Welt bestimmen lässt, sondern von der Liebe Christi.
Vielleicht beginnt das Reich Gottes oft genau dort, wo Menschen sich entscheiden, anders zu leben:
ehrlich statt berechnend,
barmherzig statt hart,
dienend statt egoistisch,
liebevoll statt gleichgültig.
Und du, lieber Leser, wie sieht das bei dir aus?
Wo fordert dich Jesus gerade heraus, mitten in dieser Welt nach seinen Gedanken zu leben?